Der Gangl der Dinge

Ah, es hat Freude gemacht, über Attersee einen Essay zu schreiben. Oder ein Bild vom Ringel Franz zu begehen. Oder sich vorzubereiten auf kleine Arbeiten über Adi Frohner und Patricia Karg. Aber was immer wieder extrem bewegte, waren die Zusammenkünfte mit Max Gangl, einem Kärntner, der gewissermaßen knarrend die Leiter bestieg, ein schwieriger Bursche, dessen Erfolg ich mir irgendwie schneller und schnalzender vorstellen möchte.

Gewiß, er ist an großen, schönen und berühmten Orten vorgestellt und ausgestellt worden. 'Es gibt auch begeisterte Gangl-Sammler. Einen davon rasiere ich täglich. Reich ist der Künstler davon nicht geworden. Es ist schon ein Wunder, daß es einem Bildhauer, der mit öffentlichen Aufträgen nicht verwöhnt wird, überhaupt so gut geht wie ihm. Nur moderne, also seltene Auftrags-Beamte in Gemeinden, Ländern und Bund haben diese freche und feste Stimme gern. Ich versteinere jedesmal, wenn ich wieder einmal höre, daß dem gewiß braven Herrn Muhr ein weiterer Dorfbrunnen abgekauft wurde, während der durchaus sinnlichere Gangl Max mit einer Kleinplastik die Familie ernährt.

Es wird aber werden, der Gang der Dinge wird sich fromm und gerecht einpendeln, auch bei den Bildern. An diesen hänge ich besonders. Es ist ja kein Wunder, wenn ein großer Bildhauer auch ein großer Maler ist. Kreativität ist unteilbar. Wahrscheinlich könnte der Max auch gut komponieren, was ihm allerdings fremd ist. Wenn du unter einem Gangl-Bild einschläfst, erwachst du in der Früh vom eigenen Gesang.

Ich werde mich mit dem Freund, der auf den Tag so alt ist wie ich, für ein paar Tage in seinem Steinbruch einschließen, für ein paar friedliche Schöpfungstage. Und wenn dann beim Land- geselchten Sehnsucht nach der liebsten Auslandsstadt aufkommt, schaue ich mir Gangls Portfolio "New York" an. Man muß den klugen Kunstliebhaberinnen und schönen Kunstliebhabern nicht erst erklären, daß da was Feines auf der Welt ist. Auch einige amerikanische Sammler haben gefunden, daß diese verschmitzten Bilder mit ihrer delikaten Farbigkeit nicht New York darstellen, aber New York sind.

Kunst ist keine traurige Angelegenheit. Dies schon gar nicht. Man darf sagen: "Viel Vergnügen".

Helmut A. Gansterer
Herausgeber und Chefredakteur
"trend"